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Basisgruppe Medizin

Unsere Treffen finden im Semester mittwochs um 19 Uhr im Rosa-Luxemburg-Haus
(auch: AStA-Gebäude) in der Goßlerstraße 16a statt.
Wir sind via email unter der Adresse [NoSPAM]info@bgmed.org zu erreichen.

Kaltes Schmuddelwetter und schon gar kein Bock auf Lernen?
Dann schaut bei unserer kritischen Filmreihe vorbei! 5 Filme zum genießen, diskutieren und inspirieren.
Wir freuen uns auf euch!


Wir sind mehr wert
Film zu den Tarifauseinandersetzungen 2018 in der UMG

https://www.youtube.com/watch?v=LINYzSrs36A

Weniger ist … auch weniger
Eine kritische Stellungnahme zur Bertelsmann-Studie

„Experten: Mehr als jedes zweite Krankenhaus schließen“ titelte das ZDF im Juli 2019. Es war damit Teil eines bundesweiten Medienkonzerts, in dem die Ergebnisse einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Krankenhauslandschaft in Deutschland präsentiert wurden (https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_Bericht_KH-Landschaft_final.pdf), in der gefordert wird, die Anzahl der derzeit 1400 Krankenhäuser in Deutschland auf 600 zu reduzieren. Dies könne die Qualität der Versorgung erhöhen, die Bettenzahl und den Personalmangel durch Zusammenlegungen verringern, auch die Rentabilität würde gesteigert. Liest man nur die Überschriften der Artikel und die Lobpreisungen der Stiftung selbst, scheint es trotz der drastischen Zahlen erst einmal eine legitime Idee zu sein, schließlich haben inzwischen auch alle gemerkt, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland wirklich einer Umstrukturierung bedarf. Ein Blick auf die Methodik der Studie und die potenziellen Auswirkungen auf das konkrete Leben vor allem in ländlichen Gemeinden zeigt jedoch gravierende Mängel.

So ist die Region, die für die Simulation der Studie gewählt wurde, die Versorgungsregion 5 in Nordrhein-Westfalen, laut der Autor*innen „sowohl großstädtisch als auch eher ländlich geprägt“, also die scheinbar perfekte Mischung. Dass hier allerdings eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas ausgesucht wurde, in der sowohl Köln als auch Leverkusen liegen, verwundert. Nach einem ausbalancierten Stadt-Land-Verhältnis klingt das nicht. In einer solchen Region, die von der Infrastruktur eines Ballungsraums profitiert, ist es nicht verwunderlich, wenn die Schließung von Kliniken die Fahrzeit eines Rettungswagens nur unwesentlich verändert. Ob sich diese Ergebnisse auf ganz Deutschland mit seiner sehr ungleichmäßigen Bevölkerungsdichte übertragen lassen, ist mehr als fraglich.

Sehr wichtig scheint der Bertelsmann-Stiftung die Versorgungsqualität der Bürger*innen zu sein, vor allem im Notfall. Wer würde auch nicht gern die optimale medizinische Versorgung genießen? Größere Kliniken allerdings pauschal mit einer besseren Versorgung und mehr Fallzahlen gleichzusetzen, scheint zwar intuitiv, stimmt aber nicht. „[…] zwischen der Krankenhausgröße und der Qualität der Leistungserbringung ist kein systematischer Zusammenhang festzustellen“, so der Sachverständigenrat zur Entwicklung im Gesundheitswesen in einem Gutachten von 2018. Als Qualitätskriterium für die Notfallversorgung gilt der Bertelsmann-Stiftung vor allem die Versorgung von Schlaganfällen und Herzinfarkten. Bei letzteren wird das Vorhandensein eines Herzkatheterlabors besonders gut bewertet. In der Tat gibt es nur wenige Kliniken, die ein solches Labor anbieten. Allerdings werden Patient*innen mit Herzinfarkt auch heute schon in den meisten Fällen sofort dorthin gebracht, falls sie schnell erreichbar sind. Das macht die anderen Kliniken aber nicht überflüssig, da dort, zum Beispiel, wenn ein Katheterlabor weit entfernt ist, mit der Lysetherapie eine wirksame Behandlung durchgeführt werden kann, bevor Patient*innen in ein geeignetes Krankenhaus verlegt werden. Überlegene Medizintechnik heißt übrigens auch sonst nicht bessere Versorgung: Ab einem bestimmten Durchschnittseinkommen eines Landes haben Ausgaben für Medizintechnik keinen Einfluss mehr auf die Lebenserwartung.

Eine langersehnte Lösung für den Pflegenotstand wären die Maßnahmen wohl auch nicht. Zwar könnten eine Zusammenlegung von Krankenhäusern und weniger Betten eine geringere Personalzahl möglich machen, das wird aber wohl kaum die laut Deutschem Pflegerat bis 2030 300.000 fehlenden Pflegekräfte kompensieren. Zudem müssten die Betten der stillgelegten Kliniken in den existierenden Strukturen untergebracht werden – und die Pflegenden auch. Für letztere hieße das unfreiwillige Umzüge, für erstere einen Investitionsbedarf von 80 Milliarden Euro, laut dem Vorsitzenden des Marburger Bundes, Rudolf Henke. Momentan investieren die Länder 2,7 Milliarden jährlich. Wenn man irgendwo dieses Geld bekommen könnte, wäre es in der Finanzierung von mehr Pflegestellen sicherlich besser aufgehoben.

Ohne Zweifel würden die von der Schließung betroffenen kleineren Krankenhäuser oft in ländlichen Regionen liegen. Hier sind Kliniken meist klein und unrentabel. Was Schließungen für die Menschen vor Ort bedeuten, ist nicht mit der Fahrzeit eines Rettungswagens zu quantifizieren. Allein als symbolischer Akt, der dem ländlichen Raum das letzte bisschen Infrastruktur nimmt, während man sich anderswo den Kopf darüber zerbricht, wie man die Landflucht aufhalten kann, ist der Vorschlag absurd. Ein Krankenhaus gibt den Menschen vor Ort das Gefühl von Sicherheit und nimmt ihr Recht auf Gesundheitsversorgung wahr, das Recht einer*eines jeden in diesem Gemeinwesen. Aber auch auf die konkrete Genesung von Patient*innen hätten längere Wege ins nächste Krankenhaus einen entscheidenden Einfluss. Gerade im Hinblick auf eine alternde Gesellschaft ist es wichtig, Patient*innen in ihrem gewohnten Umfeld zu versorgen, wo Familienmitglieder nicht stundenlange Fahrten mit dem Auto oder die notorisch schlechten Busverbindungen auf dem Land für einen kurzen Besuch ertragen müssen. Soziale Kontakte und Pflege sind jedoch wichtig für die Gesundung und entlasten nebenbei bemerkt auch das Pflegepersonal. Vor allem Menschen mit geringen Einkommen, die sich unter Umständen die langen Wege auch zeitlich nicht leisten könnten, würden hier wieder einmal benachteiligt.

Das alles wird noch überschattet von einem möglichen Interessenskonflikt. Brigitte Mohn ist Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung und Aufsichtsrätin bei der Rhön-Klinikum AG, einem großen privaten Klinikbetreiber. Diese könnten von der Schließung anderer Krankenhäuser sicherlich profitieren. Die Bertelsmann-Stiftung natürlich wies jedoch jeglichen Interessenskonflikt zurück.

Die hitzige, langwierige und sehr öffentlich geführte Debatte um die Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt allerdings auch, dass sie bei allen Fehlern in einem Recht hat: Es gibt ein breites gesellschaftliches Bedürfnis nach einer grundlegenden Reform des Gesundheitswesens in Deutschland. Dazu kann es auch gehören, gerade im städtischen Bereich tatsächlich Kliniken zusammenzuschließen, um Expertise zu bündeln und den Austausch von Informationen zu vereinfachen. Vor allem durch das 2003 eingeführte Fallpauschalen(DRG)-System sind Kliniken entstanden, die sich vor allem auf lukrative Behandlungen spezialisiert haben und unprofitable den kommunalen Trägern überlassen. Sinnvolle Indikationen bleiben hier im Zweifel hinter dem Profit zurück. Zudem hat das System für die Geldsorgen bei kleineren Krankenhäusern erst gesorgt, da diese im Verhältnis mehr Fixkosten haben, aber die gleiche Vergütung bekommen wie größere Träger. Dieses Trimmen auf Rentabilität ist auch für den Mangel an Pflegekräften mitverantwortlich. Lösungsansätze sollten in einem auf die Patient*innen statt die Profite ausgerichteten Gesundheitssystem liegen, nicht in der weiteren strukturellen Benachteiligung ländlicher Räume.

[15.05.2019 | 18.30 Uhr | STÄPS] Pharmatastische Wissenschaft
Wie kommerzielle Interessen die Universitätsforschung beeinflussen

 Pharmatastische Wissenschaft

Eigentlich soll die Forschung an Universitäten unabhängig sein. Aber Beispiele aus der Medizin zeigen, wie Pharmaunternehmen Einfluss nehmen – und zwar nicht zum Wohle der Patient*innen. Die Veranstaltung stellt die empfindlichsten Punkte vor: von Werbegeschenken an Studierende über Stiftungsprofessuren bis zur Manipulation klinischer Studien.

Referent: Dr. Christian Wagner-Ahlfs

Wir freuen uns auf Euch zum Auftakt der Veranstaltungsreihe des Göttinger Basisgruppenbündnisses!



[24.04.2019 | 19.00 Uhr | STÄPS] Schwangerschaftsabbruch: (K)Ein Thema im Medizinstudium
Eine Veranstaltung mit den Medical Students for Choice aus Berlin und der BL Göttingen

[13.1.2018] Demobeitrag - körperliche Selbstbestimmung

aus Solidarität mit der Ärztin Kristina Hänel  Aufklärung ist kein Verbrechen!basisgruppe_medizin.txt · Zuletzt geändert: 2019/05/10 16:12 von bgmed

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