Die Akte Grellner – ein Erfahrungsbericht

Rechtsmedizin mit einer Schubkarre voll Misogynie, Menschenhass, Klassismus und Rassismus.

Auch schon mal von Wolfgang Grellner mitbekommen? Vielleicht schon ein, zwei Geschichten gehört oder selbst in den zweifelhaften Genuss seiner Seminare oder Vorlesungen gekommen? An alle, die noch nichts von ihm gehört haben: seid froh. Er begegnet euch schnell genug und scheint auch nie in Rente zu gehen. Bei Grellner handelt es sich um den hiesigen Prof der Rechtsmedizin im Keller der UMG.

Besonders im neunten Semester finden Vorlesungen und diverse Seminare mit ihm statt. Berichten möchte ich insbesondere von einem Seminar im Rahmen des Gyn-Moduls zu häuslicher Gewalt. Ein super wichtiges Thema, das einen mehr als berechtigten Platz in unserem Studium hat! Bei diesem Text handelt es sich um einen persönlichen Erfahrungsbericht. Allerdings mehren sich solche Erzählungen, weswegen dieses Thema Aufmerksamkeit verdient. Ganz allgemein muss man sagen, Grellner weiß genau, was er sagt und vermeidet Aussagen, die ernsthafte Konsequenzen für ihn haben könnten. Das größte Unbehagen in seinen Lehrveranstaltungen entsteht durch kleine Kommentare und Anmerkungen, die dennoch deutlich machen, was er denkt, die Atmosphäre prägen und im Nachhinein schwer zu fassen sind.

Das Seminar begann er mit dem Rügen einer Kommilitonin, die nach einer kurzen Pause noch einmal in ihr Brötchen biss. Er würde sich doch ein „Mindestmaß an Respekt“ wünschen. Ganz alte Schule. Kleiner Reminder, wir befinden uns immer noch in der Erwachsenenbildung.
Wie allgemein üblich begann das Seminar mit epidemiologischen Fakten. Als eine Studentin auf seine Frage nach der Prävalenz von häuslicher Gewalt antwortete, ungefähr jede dritte Frau sei in ihrem Leben ein Opfer häuslicher Gewalt, reagierte er prompt und rassistisch: „Ja, also im Nahen Osten vielleicht, da kann man sich das ja auch vorstellen. Bei uns – wo wir zivilisiert sind – eher nicht.“

Generell trete häusliche Gewalt eigentlich nur in niedrigen sozialen Schichten auf. Er habe „einmal ein Akademikerpaar gehabt, der Rest seien einfach schlichte Menschen“, das sei nun mal so. Gewaltbereiter Pöbel und friedfertige Elite. Hinzu kommt also klarer Klassismus. Zu beachten ist, dass diese Aussagen weder evidenzbasiert, noch reflektiert vorgetragen werden. Von Grellner ist keine ergebnisoffene Auseinandersetzung mit den (gesundheitlichen) Konsequenzen sozioökonomischer Deprivation zu erwarten.

Wie immer wurden auch in diesem Seminar schonungslose Bilder von geschädigten Personen gezeigt. Nach regelmäßigen Beschwerden über ihn hat er in den vergangenen Semestern die Auflage erhalten, Triggerwarnungen auszusprechen. Er nutzt diese Gelegenheiten, um sich über die Verweichlichung der Studierendenschaft auszulassen. „Auch wenn hier Betroffene säßen“, meinte er, „würden Sie doch alle Ärzte werden wollen und müssten das eh sehen können“. Ich muss hinzufügen: das Rechtsmedizin-Seminar fällt aus der allgemeinen Fehlzeitenregelung raus und hat eine 100%-ige Anwesenheitspflicht. Selbstverständlich wurde keine Möglichkeit gegeben, den Raum in gewissen Momenten zu verlassen. (Was von einem Professor nicht anders zu erwarten ist, der Studierende pikiert durch das Mikrofon anspricht, warum sie denn aufstehen würden, während sie in einer 90-minütigen Vorlesung einfach aufs Klo gehen wollen.) Die Bilder in den Seminaren von Grellner enthalten stets mehr als das für den Lerneffekt Nötige, Gesichter werden auch bei Rumpfverletzungen gezeigt, als sei es nicht grausam genug. Dass es für Studierende nicht selbstverständlich ist, Fotografien von strangulierten, erstochenen oder erschlagenen Personen zu sehen, scheint ihm unverständlich.

Bevor er seiner Meinung nach kontroverse Dinge anspricht, fügt er den Nebensatz hinzu: „nicht, dass sich jetzt Leute wieder angegriffen fühlen“. So zum Beispiel auch, als der die Bezeichnung Femizid als Modebegriff beschrieb. ^„Männer würden ja auch Gewalt erfahren.“ Das ist selbstverständlich wahr, aber erfahren sie Gewalt, weil sie Männer sind? Und Frauen würden sich ja auch „regelmäßig fälschlicherweise als Opfer darstellen“. Deswegen müsse man „immer auf der Hut sein, weil man immer angelogen werden kann“. Dass ein großer Teil der häuslichen Gewalttaten überhaupt nicht angezeigt wird und der Anteil an Falschaussagen marginal ist, findet bei Grellner keinerlei Beachtung.

Wer bei Grellner auf Evidenz, Studien oder die neutrale Kommunikation von Fakten hofft, kann lange warten. Stattdessen erhält man gratis grausame Bilder vermittelt, die man dann für sich alleine verarbeiten kann, sowie eine Schubkarre voll mit Misogynie, Menschenhass, Klassismus und Rassismus – unterschwellig verpackt.


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